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Die Krise mit der Krise

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22.11.2011

Ernährungssicherheit ist ein großes Themenfeld. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit – kurz AGES – gestern zu einem Symposium rund um das Thema  „Sichere Lebensmittel – Verbraucherschutz, Öffentliche Gesundheit & Arzneimittelsicherheit im Spannungsfeld – Risiko, Krise und Panikmache” einlud.
Namhafte Experten wie Dr. Ragnar E Löfstedt vom King´s College London, Doz. Dr. Pamela Rendi‐Wagner vom Gesundheitsministerium sowie Dr. Andreas Hensel vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) folgten dieser Einladung und umrissen Themen wie „Risikovorsorge seitens des Staates“, „Risikovorsorge in der öffentlichen Gesundheit“ sowie „Risikokommunikation von Behörden“. Auch ACCEDO wurde zu einem Beitrag eingeladen und sollte die Rolle des Praktikers, der die kleineren und größeren „Skandale“ kommunikativ zu managen hat, anschaulich machen.

Perception is reality

Nebst den Erklärungen, warum Medien nur allzu gerne Skandale aufgreifen, Handlungsanleitungen zum Verhalten und der Logik der Krisenkommunikation in den „neuen Medien“, war es uns wichtig,  einen Aufruf zu bringen, ja fast zu appellieren: „Steht zusammen!“
Gemeint sind die produzierenden Betriebe, der Handel sowie Behörden und Regulatoren. Leicht gesagt und hart umstritten. Denn wenn ein Unternehmen von einem Skandal ereilt wird, gilt meist für den Mitbewerb innerhalb dieser Produktgattung das Floriani-Prinzip: „Gottlob, es hat nicht mich getroffen.“
Das ist aufgrund der enormen wirtschaftlichen Auswirkungen von Krisen nur allzu verständlich. Weniger zu verstehen ist es seitens der Behörden und Standesvertretungen. Natürlich sind sie diejenigen, die Beprobungen und Ursachenforschung sowie Verbraucherwarnung schnellstmöglich umsetzen müssen.

Doch Unternehmen sind meist schon mit den Präventionsmaßnahmen ausreichend herausgefordert. Besonders unser Beispiel eines Unternehmers, der auf der Suche nach Unterstützung beim Verfassen eines Krisenhandbuchs von einem Verband/einer Institution zur nächsten verwiesen wurde, war nicht nur umstritten, sondern wurde angezweifelt. „Jederzeit kann diesem Suchenden geholfen werden“.
Fakt ist er hat es beies bei allen Institutionen versucht und ist schließlich bei einer Kommunikationsagentur gelandet. Bei seiner Suche konnte ihm hier natürlich geholfen werden – nicht auszuschließen, dass er auch die falschen Stellen kontaktiert hat. Doch: „Perception is reality“ und wenn Unternehmen nicht wissen, wer im „Falle des Falles“ weiterhelfen kann, so ist möglicherweise viel wertvolle Ambition ins Leere gegangen. Einer von einigen Fällen dieser Art.
Wie steht es also nun mit der Begleitung der Wirtschaft in Härtesituationen? Diesbezüglich gab man uns gestern den Hinweis auf „das Lebensmittelbuch“ welches in dem besonderen Belang der Prävention jedoch nur bedingt hilfreich ist, denn das Ziel des Codex lautet „Produzenten, Händlern, der Lebensmittelüberwachung und den Untersuchungsanstalten eine Richtschnur für das Inverkehrbringen bzw. die Untersuchung von Lebensmitteln zu geben“ – kommunikative Präventionsmaßnahmen für Krisenfälle wie das zeitgemäße Aufbereiten (24/7/356 von überall abrufbar) von Prozessen, Themen und Abläufen ist nicht enthalten. Hier entsteht aber – abseits der Schädigung von Lebewesen durch schadhafte Produkte oder Verkeimungen, Zoonosen, o.ä.  – der größte wirtschaftliche Schaden für die Betroffenen.

Feldarbeit

Unsere Forderung lautet: „Gründung einer Task Force“. Eine „schnelle Eingreiftruppe“, die das Unternehmen und die handelnden Personen im Management, der Kommunikation und der Ursachenermittlung der Krise vor Ort unterstützt. Vorausgesetzt, der „Ursprung des Problems“ ist klar auszumachen und nicht, wie im Falle EHEC erst in einer langwierigen Ausbruchscluster-Ermittlung zu recherchieren.

Die Aufforderung an Unternehmer, in Medientrainings zu investieren und sich krisenfit zu machen, kann ebenfalls durch diese Task force gelenkt und gemeinsam mit der Wirtschaft erarbeitet werden.
Wenige klar definierte Personen, die im Härtefall „zur Seite stehen“, die Unternehmer beraten und vor Ort Unterstützung geben, aber auch rasch fundierte Fakten erheben, das ist die Sicht der Praktiker – lösungsorientiert und kooperativ. Dass diese Eingreiftruppe gleichzeitig in der Prävention tätig sein kann und soll, versteht sich von selbst. Denn wie immer gilt: Vermeiden ist der bessere Weg – und der wirtschaftlichere.

Die Task Force ist keine Kommunikations-Idee, sie soll – ähnlich wie Spezialeinheiten bei Polizei und Feuerwehr – immer dann „ausrücken“, wenn Hilfe benötigt wird oder bereits im Vorfeld beraten. Um es anhand des Beispiel Ampel zu erklären: Die Idealversion ist der Einsatz der Task-Force Experten wenn die Ampel auf „grün“  steht,  keine Krisen in Sicht sind und auch noch kein „umschalten“ abzusehen ist. Dann erhebt man Risikothemen, denn unglaubliche 87 % der Krisen sind „latente Krisen“, sie zeichnen sich also ab und lassen sich vorbereiten. Während der „gelben“ oder gar „roten“ Ampelphase ist das Team vor Ort und managed die Krise und bearbeitet sie nach. Und zwar so, dass die Learnings auch für andere Unternehmen, die Branche und Institutionen zur Verfügung gestellt werden. Das heißt alle profitieren davon.
Dass es sich hierbei nicht um eine “Kreatividee” von KommunikatorInnen handelt, belegt auch ein Artikel im Spiegel http://m.spiegel.de/wirtschaft/service/a-799105.html#spRedirectedFrom=www

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