Dr. Johannes Kopf im ACCEDO Salon

21.9.2009
Der AMS-Vorstand sprach mit Agenturchef Christoph Edelmann über die 229.829 Arbeitslosen von gestern Nacht, warum das AMS Kunden hat und seine persönlichen Karrieretipps.
Rund 70 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Medien und Freunden des Hauses folgten gestern, Montag, der Einladung von Christoph Edelmann in den ersten ACCEDO-Salon nach dem Sommer. Gastredner in der „Lobby“ war dieses Mal AMS-Vorstand Dr. Johannes Kopf. Zuhörer und Gäste waren u.a.: Herbert Brauneis von prolytic demand management; Heinz Hoffer von den Leitbetrieben Austria; IBM-Marketingchefin Petra Standl-Steinkellner; Klaus Einfalt von der SW-Umwelttechnik; Josef Eltantawi von Kapsch TrafficCom; Hewlett Packard-Generaldirektor Rudolf Kemler; Richard Kernbeis, Geschäftsführer von eety; Gigaset-Marketing Managerin Sigrid Ludwig; Dietmar Müller, Vorstand der Berndorf AG; Manuela Lindlbauer von Lindlpower Personalmanagement; Günther Tengel von Jenewein & Partner u.v.a.
800.000 AMS-Kunden pro Jahr
„Ich selbst war noch nie Kunde des AMS“, erklärte Johannes Kopf gleich zu Beginn des Abends und machte damit auch klar, wie das AMS sich selbst versteht: „Als führende Dienstleistungsorganisation am Arbeitsmarkt.“ Arbeitssuchende werden als Kunden angesehen – und davon gibt es in Zeiten wie diesen mehr denn je: „Wir haben genug zu tun,“ so der 35-jährige promovierte Jurist, der seit 2006 Vorstand des AMS ist. Insgesamt haben in Österreich rund 800.000 Menschen einmal pro Jahr mit dem AMS zu tun, gestern Nacht waren es exakt 229.829 Menschen, die arbeitslos gemeldet waren. „Die genaue Zahl bekomme ich jeden Abend per SMS auf mein Handy“, verrät Kopf die Quelle seines punktgenauen Wissens. Ausgenommen aus dieser Zahl sind – wie oft in der öffentlichen Diskussion kritisiert – jene Personen, die in Schulungen stecken. Insgesamt weise Österreich noch immer EU-weit die zweitniedrigste Arbeitslosenrate auf, doch auch hierzulande müsse man von einer Krise sprechen, so Kopf. „Es ist eine Krise der Industrie und das zeigt sich auch in der Statistik.
Firmen verlieren Produktivität
Dass die Zahlen am österreichischen Arbeitsmarkt dennoch halbwegs stabil sind, liegt an der Art, wie mit der Krise umgegangen wird: „Einerseits wollen die Firmen möglichst viele ihrer Mitarbeiter halten. Man weiß ja auch nicht, wann es wieder bergauf geht.“ Andererseits werde auch von der Politik massiv gegen gesteuert. Die Folge: Relativ niedrige Arbeitslosenzuwachsrate, aber ein Verlust der Produktivität in den Firmen. „Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg liegt der BIP-Rückgang über dem Beschäftigungs-Rückgang“, erklärt der AMS-Vorstand. Mit einer Erholung am Arbeitsmarkt sei daher nicht so bald zu rechnen: „Vor 2012 oder 2013 werden wir keine rückläufigen Arbeitslosenzahlen sehen“, zeichnet Kopf ein realistisches Bild.
Alle 90 Sekunden ein freier Job
Dennoch: „Noch immer wird uns alle 90 Sekunden ein freier Job gemeldet“, zeigt sich der AMS-Chef zufrieden mit der österreichischen Situation. „In Spanien, wo die Arbeitslosenrate bei 18 Prozent liegt, wäre ich gerade nicht so gern AMS-Chef“, gibt er zu. Damit folgt er letztendlich auch seinem eigenen Rat, nämlich dass man „einen Job nur machen sollte, wenn er einem gefällt.“ Auf die Frage, was man für eine Karriere heutzutage leisten muss, gibt er jedoch klar zu: „Viel arbeiten.“


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