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Soja: Die Wunderbohne aus Oberösterreich

Verein Soja aus Österreich

22.07.2010

„Nachfrage bringt neue Wertschöpfung“ :  Der Verein Soja aus Österreich – ein Zusammenschluss von Soja-Bauern, Verarbeitern sowie Lebensmittelproduzenten aus Österreich – präsentiert die ‚Erfolgsgeschichte Soja‘ gemeinsam mit dem Land Oberösterreich. „Oberösterreichs Landwirtschaft hat mit der Wiederentdeckung von Soja ein zusätzliches Marktsegment. Mit der OÖ. Sojaastrategie wollen wir dieses Potenzial heben“, sagt Agrarlandesrat Dr. Josef Stockinger.

Soja: Eine Kulturpflanze mit österreichischem Ursprung feiert weltweite Erfolge
„Soja ist sozusagen ein Superstar aus Österreich”, erörtert Matthias Krön, Obmann des Vereins Soja aus Österreich, die spannende Geschichte dieser Kulturpflanze. Entdeckt bei der Weltausstellung 1873 in Wien, führte Prof. Dr. Friedrich Haberlandt von der Hochschule für Bodenkultur bereits zwischen 1875 und 1877 die ersten Anbauversuche mit Soja in der westlichen Welt durch. „Soja hat zwischenzeitig von Österreich aus die Welt erobert“, so Krön weiter „und gewinnt in Österreich – nicht zuletzt durch unsere Aktivitäten – seit rund zehn Jahren wieder stark an Bedeutung. Soja ist eine in Österreich heimische Kulturpflanze mit langer Tradition, die eine Zeitlang in Vergessenheit geraten war“. Der Wunsch nach gentechnikfreiem Soja, dessen gesamte Wertschöpfung in Österreich liegt, führte dazu, dass Soja nunmehr wieder in Oberösterreich, Niederösterreich und dem Burgenland in relevanten Mengen angebaut wird.

Soja macht in Europa Karriere
In der EU wurden im vergangenen Jahr bereits 890.000 Tonnen Soja produziert – Tendenz stark steigend. Addiert man zu den EU-27 noch den Balkan, so werden auf einer Fläche von 500.000 Hektar 1,25 Millionen Tonnen Sojabohnen in Europa geerntet. Österreich belegt innerhalb der EU als Soja-Anbauregion – nach Italien und Frankreich – den stolzen dritten Platz nach Erntemengen und gehört damit zu einem sehr relevanten Anbaugebiet. „Hier ergeben sich tolle Chancen für die heimischen Landwirte“, erklärt Krön. Ein klarer Vorteil in Österreich: Durch die Zusammenarbeit in der ganzen Verarbeitungskette vom Landwirt bis hin zum fertigen Produkt wird die Nachverfolgbarkeit der Rohstoffe möglich. Ein Argument, das ganz klar für Sojaprodukte aus Österreich spricht.

Oberösterreich ist führende Soja-Anbauregion innerhalb Österreichs
Auf Österreichs Feldern werden heuer auf 34.000 Hektar Sojabohnen angebaut, das stellt ein Wachstum von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar. Alleine in Oberösterreich werden auf 13.000 Hektar Sojabohnen kultiviert. Die heimischen Soja-Ernteerträge lagen 2009 bei 74.000 Tonnen, davon stammt nahezu die Hälfte (32.000 Tonnen) aus Oberösterreich. Die Sojabohnen werden zum überwiegenden Teil in der Lebensmittelwirtschaft verarbeitet, ein Teil wird als Futtermittel verwertet. „Das Potenzial für den Anbau von Sojabohnen liegt bei rund 50.000 Hektar Anbaufläche in Österreich. Die Eiweißlücke von 600.000 Tonnen Sojaimporten nach Österreich werden wir nicht schließen, jedoch jedenfalls verkleinern können. Vor allem im Premium-Bereich der Soja-Lebensmittel steigt die Nachfrage. Hier kommt uns auch der gentechnikfreie Weg in der Landwirtschaft zu Gute. Allerdings muss man auch klar sagen: Der Rechenstift entscheidet. Der Sojaanbau muss im Deckungsbeitrag mit Mais oder Weizen mithalten können, und in den Lebensmittel-Spezialsegmenten einen entsprechenden Bonus bringen. Dann kann der Flächenzuwachs 3.000 bis 4.000 Hektar pro Jahr in Österreich betragen“, beschreibt Landesrat Dr. Stockinger das Wachstumspotenzial, das mit einer eigenen Machbarkeitsstudie des Beratunsgunternehmens Finadvice aus Linz untermauert ist.

Heimische Soja-Anbauflächen legten von 2009 auf 2010 um fast 40 Prozent zu
„Unser klares Ziel im Verein Soja aus Österreich lautet, der Bevölkerung alternative, gesunde und ökologische Eiweißquellen aufzuzeigen und sie von der Kraft der Sojabohne im Rahmen der Ernährung zu überzeugen“, erklärt Krön. Die Produktvielfalt der 22 Vereinsmitglieder reicht vom Soja-Drink über den Fleischersatz Tofu bis hin zu salzigen und süßen Knabberereien aus der gesunden Sojabohne. In Summe werden 140 Produkte aus heimischem Soja erzeugt – die Produkte aus Österreich werden neben dem heimischen Lebensmittelhandel auch in über 30 Länder der Welt exportiert. „Soja ist ein Exportschlager. Die Strategie, entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Produktskette auf Gentechnik zu verzichten, nachhaltig und wertorientiert zu produzieren, schätzen die Konsumenten im In- wie im Ausland“, freut sich Krön.

Heimischer Sojaanbau: Chancen des Lebensmittelmarktes für die Landwirtschaft nutzen
„Der Anbau von Soja stellt für die heimische Landwirtschaft ein wichtiges Segment dar: In Zeiten volatiler Agrarpreise im In- und Ausland, einer Überproduktion der osteuropäischen Länder und damit einhergehend sinkender Marktpreise, ist Soja eine echte Alternative für die heimischen Landwirte geworden. Soja aus Österreich erzielt – nicht zuletzt durch den Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik – gute Preise, trägt zur Erhöhung der pflanzenbaulichen Wertschöpfung bei und findet vielfältige Abnehmer. Schon jetzt stehen mehr als 140 verschiedene Sojaprodukte in den Regalen des Lebensmittelhandels; das wissen viele nicht. Als Agrarlandesrat betone ich auch, dass Sojaprodukte nicht als Konkurrenz zu Fleisch und Milch zu sehen sind, sondern als Angebot für jene Konsumenten, die Sojaprodukte schon jetzt suchen – sowie als große Chance im Export“, erörtert Agrarlandesrat Stockinger sein Engagement innerhalb der oberösterreichischen Landesregierung zur Forcierung des Soja-Anbaus. Dass Sojabohnen ohne Einsatz von Düngemitteln schöne Erträge einfahren, den Boden mit Nährstoffen anreichern und daher eine tolle Vorfrucht für Getreide darstellen, haben Margareta und Christian Langmayr, Soja-Vertragslandwirte, bereits in den 80er Jahren erkannt. „Unsere selbst gezogenen Sojabohnen werden nach Röstung an die eigenen Schweine verfüttert, wir sparen dadurch teure, möglicherweise verunreinigte Importe von Sojaschrot aus dem Ausland“, so der Ansfelder Landwirt, der „nahezu jede Alternativfrucht schon angebaut hat,“ aber mit Soja die höchste Zufriedenheit erreichte.

‚Zwischengang‘ Soja
Im Rahmen der gesunden Fruchtfolge erobert Soja die Herzen der oberösterreichischen Landwirte im Sturm: „Der Erntezeitpunkt nach dem Winterweizen aber vor der Maisernte hilft uns, die Erntemaschinen besser auszulasten und wirtschaftlicher einzusetzen. Der Anbau von Soja verursacht keine zusätzlichen Kosten, da sich Soja mit den für Getreide üblichen Mähdreschern ernten lässt“, erklärt Christian Langmayr.

Erfolgreiche Partnerschaft entlang der gesamten Produktionskette
Heimisches Soja ist für alle Partner entlang der Produktionskette eine gewinnbringende Angelegenheit: So arbeiten in Oberösterreich alle Experten in einem natürlichen Prozess Hand in Hand. Die Saatgutexperten der oberösterreichischen CROP CONTROL – eine Tochter der Saatbau Linz, die sich auf die Züchtung standortangepasster Sorten mit perfekten Eigenschaften für Züchter und Industrie spezialisiert hat – bieten den Landwirten neben Saatgut auch Kontrakte zur Fixabnahme der Ernte an. Die Ernte geht wiederum weiter an die Experten der Strobl Naturmühle, wo sie verarbeitet wird. DI Christoph Strobl als Geschäftsführer der Mühle sieht den klaren Benefit auch „in der Gentechnikfreiheit, in der bessere Marktchancen in Europa liegen“. Strobl ist gleichfalls Mitglied im Verein Soja aus Österreich, da es ihm ein „ganz persönliches Anliegen ist, heimische Lebensmittel zu verarbeiten und damit die Wertschöpfung und Kraft im Inland zu belassen“.

Vorteile für beide Seiten durch Vertragslandwirtschaft
DI Karl Fischer, Geschäftsführer von CROP CONTROL, betont die Wichtigkeit von Vertragsanbau: Die Kooperation mit den Landwirten im Rahmen der Vertragslandwirtschaft schafft für beide Seiten Vorteile. So weiß der Bauer im Vorfeld sicher, dass er seine Ernte zu fixen Konditionen verkaufen wird: „Damit bin ich zumindest zu einem gewissen Teil unabhängig von der aktuellen Marktlage“, schätzt Langmayr, langjähriger Vertragslandwirt von CROP CONTROL, diesen positiven Aspekt. Um dennoch auf veränderte Gegebenheiten reagieren zu können, werden die Vertragsbedingungen im Herbst jährlich neu ausverhandelt. 2009 wurde für konventionelle Sojabohnen pro Tonne zwischen 290 und 320 Euro bezahlt, die Bio-Qualität wurde um rund 540 Euro pro Tonne abgekauft. „Für das heurige Jahr erwarten wir ähnliche Preise“, zeigt sich DI Karl Fischer zufrieden. Aber auch CROP CONTROL und in weiterer Folge die Lebensmittelindustrie profitieren von dieser Art der Zusammenarbeit. So ist durch die langfristige Partnerschaft mit den Bauern gesichert, dass die Qualität gleich bleibend ist. Außerdem kann die Anlieferung der Sojabohnen genau geplant und so die Weiterverarbeitung optimiert werden. Das Modell Vertragslandwirtschaft wird oftmals auch direkt zwischen Landwirten und dem Produzenten vereinbart. MONA Naturprodukte – Gründungsmitglied des Vereins – hat Kontrakte mit 600 Vertragslandwirten.

Neuer Soja-Forschungspreis ausgeschrieben
„Unser Ziel für die nahe Zukunft ist die Ausweitung des Sojaanbaus. Wichtig ist, dass die Flächenausweitung von der Nachfrage her getragen ist. Konkret arbeiten wir entlang der Wertschöpfungskette an neuen Projekten, etwa der GVO-freien Eierproduktion. Hier gibt der Konsument klar die Richtung vor“, sagt Landesrat Stockinger. Um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Soja zu forcieren, belohnen der Verein Soja aus Österreich sowie die Bundesländer Oberösterreich und Niederösterreich Masterthesen, Diplom- oder Dissertationsarbeiten rund um die Sojabohne oder deren Inhaltsstoffe mit bis zu 2.500 Euro. Ein wissenschaftlicher Beirat entscheidet über die Vergabe der Stipendien. „Gentechnikfreiheit ist das wichtigste Verkaufsargument für Soja im In- wie auch im Ausland. Nur wenn Politik und Wirtschaft an diesem Ziel festhalten – und damit den Konsumentenwünschen entsprechen – ‚hält‘ dieses Verkaufsargument“, plädiert Karl Strobl von der STROBL-NATURMÜHLE. „Durch gemeinsame Projekte von Wirtschaftsunternehmen und durch die Unterstützung der Politik ist es gelungen, Österreich als eines der sichersten Herkunftsländer für qualitativ hochwertige Sojaprodukte zu positionieren“.

Markt für Speisesoja weist beeindruckende Wachstumsraten auf
Die jüngste Studie von Finadvice für das Land Oberösterreich geht davon aus, dass der Markt für Speisesoja in Europa weiterhin anwachsen wird. Zuletzt betrugen die Wachstumsraten beeindruckende Plus 20 %. Der europäische Speisesojamarkt ist derzeit rund 220.000 Tonnen ‚schwer‘. Der Verein Soja aus Österreich, die Saatgutzüchter, die Sojabauern, die Verarbeiter und Agrarlandesrat Stockinger sind sich einig: „Soja wird weiterhin ein Erfolg in ‚Rot-weiß-rot‘ sein. Unsere gentechnickfreien, naturnahen Produkte stehen hoch in der Gunst der heimischen Konsumenten und legen kontinuierlich zu.“ „Die Entscheidung, auf Gentechnik im Pflanzenbau zu verzichten, eröffnet riesige Absatzmärkte für uns. Produkte aus österreichischen Sojabohnen sind glaubwürdig, wir entwickeln laufend neue Sorten für unsere Industriepartner“, freut sich DI Strobl vom Verarbeiter Strobl Naturmühle. Krön, Vorstand des Vereines, sieht weitere Absatzschwerpunkte der heimischen Produkte im Export: „Produkte aus Österreich erfreuen sich in vielen Ländern der Welt extrem hoher Beliebtheit. Unsere Qualitätskriterien und unser Know-How wird speziell in den CEE Ländern zu einer Stärkung des Sojaabsatzes führen.“ Soja als heimisches Lebensmittel – fernab von Gentechnik, Rodung des Regenwaldes und klimafeindlichen Transporten quer durch die Welt – beim heimischen Konsumenten zu positionieren sowie die damit verbundene Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen breit zu kommunizieren nennen alle Vortragenden als gemeinsames Ziel. MONA Naturprodukte – einer der größten Abnehmer heimischen Sojas – betreibt Vertragslandwirtschaft und kann durch die Zusammenarbeit in der ganzen Verarbeitungskette vom Landwirt bis hin zum fertigen Produkt die Nachverfolgbarkeit seiner Produkte bis zum Rohstoff garantieren.

Über den Verein „Soja aus Österreich“
Der Verein Soja aus Österreich wurde 2008 gegründet und hat seinen Sitz in 1060 Wien, Lehargasse 11. Ein Großteil der Mitglieder des Vereins Soja aus Österreich verwendet Bio-Bohnen und setzt somit keine Pflanzenschutzmittel ein. Der Anbau bei konventionellen Bohnen unterliegt strengen Pflanzenschutzrichtlinien, die Empfehlung des Fachbeirates für Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit und die sonst gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen werden streng eingehalten bzw. teilweise noch enger ausgelegt. Obmänner des Vereins sind Matthias Krön (Geschäftsführer Mona Naturprodukte) und Herbert Stava (Inhaber Landgarten KEG), Kassier ist Ernst Ternon (Inhaber Sojarei GmbH). Sie entscheiden gemeinsam im sechsköpfigen Vorstand über die Ausrichtung und Ziele des Vereins. Die Mitglieder des Vereins: Agro Vet, Alondo Bio.k, Bäckerei Hartner, Elisabeth Fischer, Evergreen Agrarprodukte, Hirschhofer, Landgarten, Leopold Pischinger, Maria Karl, Mona Naturprodukte, Naimer Alois, Österreichische Agentur für Biogetreide, Perger Gerhard, Power Soja, Probstdorfer Saatzucht, Saatzucht Gleisdorf, Saatbau Linz, Sieglinde Hofer, Sojarei, Shu-Chen Sojahaus, Strobl Naturmühle, Wojnar. Das Ziel des Vereins ist es, Soja in das Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung zu bringen und den nachhaltigen Anbau von Soja in Österreich zu fördern. Soja soll als österreichische Kulturpflanze wahrgenommen werden.

Details zum Verein und dessen Prinzipien finden Sie unter www.soja-aus-oesterreich.at

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